Der Samengarten
Der Samengarten Eichstetten bewahrt seltene Kulturpflanzen und bringt echte Sortenvielfalt auf den Münstermarkt.

Der Samengarten aus Eichstetten
Wenn der Samengarten aus Eichstetten am Kaiserstuhl auf dem Münstermarkt seinen Marktstand aufbaut, dann ist der Frühling nicht mehr weit. Seit 2001 haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus Eichstetten und Region aktiv zusammengetan, um dem wachsenden Verlust der Saatenvielfalt entgegenzuwirken. Fast 25 Jahre später haben sich auch heute noch Fördermitglieder, Ehrenamtliche und Angestellte dem Erhalt und der Förderung der biologischen Vielfalt verschrieben. In Eichstetten am Kaiserstuhl befindet sich einer der fruchtbarsten Regionen Deutschlands. Hier haben sich die Macher des “Samengartens” gefunden.
Ziel dieser Stiftung ist es, alte und seltene Kulturpflanzen zu bewahren und ihre genetische Vielfalt zu sichern. Dies ist besonders wichtig, da die voranschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft und der Fokus auf ertragreiche Hochleistungssorten (Hybride) dazu führen, dass traditionelle Nutzpflanzen und ihre Sortenvielfalt zunehmend verloren gehen. Im Samengarten werden darum über 1000 vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten immer wieder angebaut. Saatgut ist je nach Art unterschiedlich lang keimfähig, muss also in 2,3 oder bis zu 6 Jährigen Abstand angebaut werden, damit das Saatgut keimfähig bleibt. Darunter sind alte Gemüsesorten, Kräuter, Getreide und Obst. Durch diese Arbeit wird hochwertiges, samenfestes Saatgut gewonnen, das wesentlich zum Erhalt der Vielfalt beiträgt.

Saatenvielfalt auf dem Münstermarkt
Seit Jahren ist der Samengarten an drei Samstagen im Jahr (aktuelle Termine unter www.kaiserstuehler-garten.de) auch auf dem Münstermarkt. Interessierte Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner können dann Saatgut von Tomaten, Paprika und Chilli, verschiedenstes Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen gegen eine Aufwandspauschale erwerben. Mit diesem Ansatz unterstützt der Samengarten die nachhaltige Nutzung von Saatgut in kleinen Strukturen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Vielfalt im heimischen Garten.

So wird Saatgut gewonnen
Die Samen werden von Hand aus den jeweiligen Früchten und Gemüsesorten getrennt, gereinigt, getrocknet und für die Weitergabe vorbereitet. Das erfordert viel Arbeit im Detail und engagierte Mitarbeit von Ehrenamtlichen unter der Anleitung von ausgebildeten Angestellten. Das Team trifft sich immer montags für diese Arbeiten und viele der Helferinnen und Helfer konnten sich dadurch schon einen großen Wissensschatz zum Gärtnern aneignen. Da der Samengarten ausschließlich an den Samen der jeweiligen Früchte interessiert ist, bleibt oftmals das feine Fruchtfleisch übrig - darüber freuen sich die fleißigen Helferinnen und Helfer, die nach getaner Arbeit z. B. eine schöne Tomaten-Suppe daraus kochen.

Darum ist der Erhalt von samenfesten Sorten so wichtig
Heutzutage sind vor allem die Hybridsorten im Umlauf. Diese werden durch gezielte Kreuzung genetisch reiner Elternlinien gezüchtet. Sie zeigen generell positive Eigenschaften wie hohe Erträge und Einheitlichkeit - allerdings nur in der ersten Generation, danach verändert sich das Saatgut und ist für die Landwirtschaft nicht mehr brauchbar. Die Samen von Hybriden führen also in der nächsten Aussaat zu genetisch instabilen Pflanzen, sodass jedes Jahr neues Saatgut gekauft werden muss. Das wiederum führt in der Landwirtschaft zu einer Abhängigkeit von Saatgutkonzernen.
Samenfeste Sorten hingegen bewahren ihre Eigenschaften über Generationen hinweg. Ihr Saatgut kann jedes Jahr geerntet und erneut ausgesät werden, ohne an Qualität zu verlieren. Darüber hinaus zeichnen sich samenfeste Sorten durch eine größere genetische Vielfalt aus. Das macht sie widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen und besser an regionale Bedingungen angepasst. Geschmacklich haben samenfeste Sorten oft auch mehr zu bieten. Bei einem Besuch im Samengarten begegnet man oft Pflanzen, deren Namen und Aussehen einem gar nicht mehr geläufig sind, weil man sich schon so sehr an die neu gezüchteten Sorten gewöhnt hat.
Mehr als Saatgutsicherung
Der Samengarten ist aber nicht nur ein Ort der Saatgutsicherung, sondern auch ein Raum für Bildung und Austausch. Durch Workshops, Führungen und Veranstaltungen werden Besucherinnen und Besucher über ökologische Zusammenhänge, den Wert der Biodiversität und die traditionelle Pflanzenzucht informiert. Besonders gefragt sind Kurse, die zeigen, wie man selbst Saatgut gewinnt und im eigenen Garten nutzen kann. Der Samengarten bietet viele Möglichkeiten, aktiv mitzumachen. Interessierte können Fördermitglied werden und die Arbeit finanziell unterstützen. Wer möchte, kann sich ehrenamtlich engagieren. Weitere helfende Hände sind immer herzlich willkommen.
Gesünder ernähren mit samenfesten Sorten:
Samenfeste Sorten sind also für eine gesunde und ausgewogene Ernährung unverzichtbar, da sie eine breite Vielfalt an Nährstoffen bieten und an lokale Bedingungen angepasst sind. Durch ihre genetische Vielfalt sind sie oft widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Umweltveränderungen, was ihren Anbau nachhaltiger macht. Diese Sorten fördern nicht nur die Qualität und Vielfalt unserer Lebensmittel, sondern tragen auch dazu bei, den Verlust wertvoller Kulturpflanzen zu verhindern und eine unabhängige, regionale Lebensmittelversorgung zu sichern.






